Kann man bei einem sieben Meter langen Vollintegrierten von „Downsizing“ sprechen? Man kann: Mit der Baureihe Integra Style, im Januar auf der CMT in Stuttgart vorgestellt, hat der Sprendlinger Reisemobil-Spezialist Euramobil das Raumangebot der Königsklasse auf ein 3,5-Tonnen-Chassis des Fiat Ducato „geschrumpft“.
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 Kompakter Vollintegrierter: Der Integra Style 660 HB von Eura


| CAMPING hat sich daraus das Modell IS 660 HB zum Basispreis von 65.950,- Euro herausgepickt.
Gleich gibt's ein Hupkonzert. Denn ich habe mich mit dem knapp sieben Meter langen Euramobil Integra Style 660 HB auf der Geradeaus-Spur vor der Ampel einsortiert. Aber ich muss links abbiegen. Sorry, der Navigator hat mir das zu spät angesagt. Es wird grün, ich blinke und ziehe vorsichtig rüber. Doch der Protest der übrigen Verkehrsteilnehmer bleibt aus. Im Gegenteil: Mit einem Lächeln winken Sie mich hinüber, recken dann ihren Daumen nach oben und deuten anschließend auf unser Reisemobil. An der nächsten Ampel grinsen die Fußgänger zunächst das „Gesicht“ des stylischen Integra an und anschließend uns hinter der großen Frontscheibe. Und auch bei der Einfahrt ins Fahrerlager des Sachsenring erntet der Vollintegrierte aus dem Sprendlinger Reisemobil-Werk offene Sympathiebekundungen. Kein Zweifel also: Das Design des IS-Familiengesichtes – breite Kotflügelbacken mit geschwungenen Scheinwerferaugen und einem lächelnden Kühlergrill dazwischen – kommt gut an. Und so taufen wir den IS 660 HB kurzerhand „Smiley“.
Hört sich niedlich an. Aber das ist der fast drei Meter hohe und 2,30 m breite Vollintegrierte nun wirklich nicht. Bietet er im Innenraum doch reichlich Platz und Bewegungsfreiheit. Da ist zunächst einmal der luftig großzügige Eindruck, den das Fahrerhaus konzeptbedingt durch das nach vorne verlängerte Armaturenbord und die hohe Frontscheibe schafft. Trotz des Standard-Ducato-Cockpits kommt beim Blick auf die Straße ein wenig Reisebus-Feeling auf. Was der Übersichtlich- und Beherrschbarkeit beim Fahren und Rangieren des 6,95 m langen Integra Style allerdings keinen wesentlichen Abbruch tut: Nach einer kurzen Gewöhnungsphase haben selbst Vollintegrierte-Novizen die Abmessungen im Griff und schlängeln sich mit dem 660 HB lässig durch die engen, mit Reisemobilen zugeparkten Gassen eines Rennstrecken-Fahrerlagers. Zum Rangieren empfehlen wir allerdings dringend die Investition in eine Rückfahrkamera.
Klar, weil die Heckwand komplett fensterlos gestaltet ist. Denn hier legt sich das schmalere der beiden Doppelbetten quer, wie das Kürzel „HB“ in der Modellbezeichnung („Heckbett“) verrät. Es ruht auf Hubstelzen, lässt sich zur Stauraumerweiterung der großen Garage darunter also mechanisch nach oben kurbeln. Damit passt unsere 1,10 Meter hohe 125er Rennmaschine problemlos hinein. Und dank der Garagenbreite findet auch das 3 x 6 Meter große Mechanikerzelt noch Platz. Für Fahrradler gibt's übrigens eine solide Halterung, die zur Heckwand hin verschraubt wird.
Vom Heckbett aus gelangt man bequem über zwei Stufen in Richtung Bad, Küche und Wohnraum. Im Sanitärbereich haben die Innenarchitekten zwischen Waschtisch und integrierter Dusche ausreichend Ellenbogenfreiheit für zwei Erwachsene geschaffen. Schränke und Ablagen nehmen das Kulturequipment der vier Bewohner auf, für die der IS 660 HB konzipiert ist. Das zeigt sich auch beim Blick auf die Staukapazitäten von Kühlschrank (175 Liter), Frisch- und Abwassertank (150/100 Liter) sowie den Fächern, Schubladen oder Oberschränken des Küchenblocks. Dessen Platte bietet zudem viel Arbeits- und Abstellfläche zwischen Dreiflammherd und eingelassenem Spülbecken.
Etwas zu unterdimensioniert für ein Vier-Personen-Menü ist der quadratische Tisch an der L-Sitzbank geraten. Zum ausgiebigen Tafeln mag sich die Familie also lieber nach draußen unter die Markise auf die mit speditierte Garnitur begeben. Stauraum dafür ist dank dem doppelten Boden auf dem breiten CSS-Tiefrahmen-Chassis eh vorhanden.
Reichlich Platz bietet das Hubbett über dem Cockpit: Schnell entriegelt und ohne übermäßigen Kraftaufwand heruntergezogen bietet es 90 Zentimeter Kopffreiheit sowie eine 195 x 160 cm große Liegefläche auf der komfortablen Matratze. Das Hochdrücken erfordert etwas mehr „Schmackes“, damit es automatisch in die Verriegelung einrastet.
Das großzügige Raum- und Stauangebot impliziert eine hohe Zuladung. Aber hier relativiert sich der vermeintliche Vorteil eines 3,5-Tonnen-Chassis bei einem Leergewicht von 3.110 Kilogramm: Mehr als 390 kg darf die Familie im IS 660 HB nicht einpacken. Da stoßen wir mit dem 117 Kilo-Rennmotorrad, dem 100 Kilo-Mechanikerzelt, Werkzeug- und Ersatzteil-Equipment sowie Lebensmittel und Kleidung für drei Personen schnell an die Kapazitätsgrenze. Bei der das Breitspur-Chassis und das Ducato-Fahrwerk allerdings noch lange nicht spürbar kapitulieren. Ebensowenig wie die 130 PS starke 2,3-Liter Variante des Fiat Vierzylinder-Multijet-Turbodiesel. Dessen Verbrauch pendelte sich bei zügiger Fahrweise auf 11,5 Liter pro 100 Kilometer ein.
Text: Egbert Schwartz
Fotos: E. Schwartz
DCC, am 26-07-10
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